Die letzten Wochen gab es eine Menge Chaos rund um die kommenden AM3+ CPUs (Zambezi) von AMD. Die brennende Frage ist – lassen sich die CPUs im Sockel AM3 nutzen?
Die ursprüngliche Aussage von AMD ist, dass die kommenden AM3+ CPUs nicht in den AM3 Platinen betrieben werden können. Diese Aussage wurde uns auf Nachfrage bei AMD zur Cebit auch nochmal ausdrücklich bestätigt. Gleichzeitig hat MSI auf der Cebit darüber informiert, dass einige der eigenen AM3 Mainboards die AM3+ CPUs unterstützen sollen. ASRock hingegen dementierte dies, da die CPUs nicht in den alten Sockel passen. Der AM3+ Sockel hat einen Pin mehr.
Zuletzt schien sich die Lage etwas beruhigt zu haben. Da MSI der einzige Hersteller war, der die Kompatibilität von AM3+ CPUs im AM3 Sockel angekündigt hatte, gingen einige von einem Fehler aus. Gestern wendete sich das Blatt aber plötzlich. ASUS kündigt nun offiziell die Möglichkeit an AM3+ CPUs im Sockel AM3 zu nutzen, zumindest bei einigen Mainboards.
Da auch uns diese Ankündigung von ASUS überrascht hat, haben wir nochmal den Kontakt zu den Mainboardherstellern gesucht. Dabei haben wir aus der R&D-Abteilung eines Mainboadherstellers (der sich in der Vergangenheit immer als verlässliche Quelle herausgestellt hat) den entsprechenden Hinweis bekommen.
Nach diesen Aussagen passen die kommenden AM3+ CPUs mechanisch in den Sockel AM3, auch wenn die AM3+ CPUs eine andere Anzahl an Pins haben. Wir gehen daher davon aus, dass die CPUs mehr als 938 Pins (aktuelle AM3 CPUs) aber weniger als 942 Pin (Sockel AM3+) haben. Zur Erinnerung, der Sockel AM3 hat 941 Pins.
Zwar passen die CPUs mechanisch in den Sockel, nach unseren Informationen lassen aber eine Reihe der Funktionen der neuen AM3+ CPUs nicht in den alten Mainboards nutzen. So sollen die alten AM3 Plattform die neuen Energiesparfunktionen der AM3+ CPUs nicht unterstützen. Auch die “Fast-SVID” -Funktion, die ein sehr schnelles ändern der VCore ermöglicht, soll nicht unterstützt werden.
Ein weiteres Problem ist zudem, dass einige der Highend Modell der AM3+ Serie deutlich höhere Lastspitzen bei der Stromstärke benötigen als aktuelle AM3 CPUs. Im Grenzfall könnte hier sogar die “Over-Current-Protection” der Mainboards greifen. Ein stabiler Betrieb kann daher womöglich nicht garantiert werden.
Gerade der letzte Punkt passt auch sehr gut zu der Kompatibilitätsliste von ASUS. Diese listet aktuell nur einige wenige Highend-Mainboards, die sehr hochwertige Spannungswandler haben sollten. Die Lowend- und Mainstreamplatinen, die oftmals keine so gute Spannungsversorgung haben, sollen demnach für den Sockel AM3+ alle neu aufgelegt werden.
Wie gut die AM3+ CPUs in den jetzt von ASUS freigegeben Mainboards funktioniert bleibt ebenfalls abzuwarten. Aktuelle sind die zur Verfügen gestellten BIOS-Versionen lediglich Beta-Updates.
Kurz zusammengefasst: Die kommenden Sockel AM3+ CPUs passen mechanisch in den Sockel AM3. Einige Features sind aber nicht nutzbar, vor allem kann der stabile Betrieb wegen stärker Anforderungen an die Spannungsversorgung nicht in jedem Fall garantiert werden. Gerade daher sind viele Hersteller mit der Ankündigung passender Updates wohl zurückhaltend.
Update am 18.3.2011 - 14.38 Uhr:
Wie haben soeben von einem zweiten Hersteller nochmal die Bestätigung erhalten, dass die AM3+ CPUs in den alten Sockel AM3 passen. Dabei nannte man uns weitere mögliche Probleme. Demnach sollen die AM3+ CPUs die CPU-Temperatur mittels dem “Sideband Temperature Sensor Interface” (SB-TSI). Zumindest bei den AM3 Mainboards des Herstellers, von dem die Info kommt, wurde bei den AM3 Mainboards auf die Thermal Diode gesetzt. Bei diesen Mainboards wurde SB-TSI nicht implementiert. Somit kann es auf alten AM3 Mainboards, zusammen mit den neuen AM3+ CPUs, auch Probleme beim Auslesen der CPU-Temperatur geben.
Klar ist somit, AM3+ CPUs passen in den Sockel AM3. In der Praxis sind eine Reihe von Problemen aber nicht auszuschließen. Gearde das dürfte der Grund für die fehlende offizielle Freigabe sein.
Quelle: Eigene
Tags: AM3, AMD, Bulldozer, Zambezi

